Ein Fenster zur Welt. Die kolonialzeitliche Sammlung
Die kolonialzeitliche Sammlung
Als „sensible Sammlungen“ oder „heikles Erbe“ bezeichnet man heute die völkerkundlichen Sammlungen aus der Kolonialzeit.
Grund dafür ist die zweifelhafte Herkunft der Ausstellungsstücke und ihre Verstrickungen in das System kolonialer Gewaltherrschaft. Auch in Offenburg hat Museumsgründer Carl Frowin Mayer von 1884 bis 1917 mit Begeisterung fremde Dinge aus aller Welt für das städtische Museum zusammengetragen. Er war kein Anhänger des Kolonialsystems, nutzte es aber für seine Sammeltätigkeit. Dem Offenburger Publikum öffnete er mit dem Museum ein sehr spezielles, exotisches Fenster zur Welt.
Die Ausstellung zeigt die Geschichte der deutschen Kolonien in Afrika, China und der Südsee und beleuchtet sie kritisch. Dabei schöpft das Museum aus seinem großen ethnografischen Bestand. Zahlreiche Leihgaben aus der Bevölkerung bereichern die Präsentation. Doch welche exotischen Dinge wurden während der Kolonialzeit gesammelt? Wer schenkte dem Museum Objekte aus den deutschen „Schutzgebieten“ und wie kam es dazu? Die Herkunft der Sammlungsstücke wird trotz der schwierigen Quellenlage erforscht.
Dass die Folgen der Kolonialzeit bis heute unübersehbar sind, zeigen Sammlungen von Großwildjägern, Missionaren, Entwicklungshelfern und Reisenden aus Offenburg und Umgebung aus der Zeit von 1918 bis heute. Auch die Sammlung Cron mit ihren Großwild-Präparaten aus Afrika und Asien wird im kolonialgeschichtlichen Zusammenhang präsentiert. Das berühmte „hornlose Nashorn“ hängt wieder am ursprünglichen Ort und verweist auf aktuelle Entwicklungen, die sowohl mit der Kolonialgeschichte als auch mit der Globalisierung in Zusammenhang stehen.
Erforschung der kolonialzeitlichen Sammlung
Bei der Neukonzeption der kolonialgeschichtlichen Dauerausstellung 2017 wurde deutlich, dass eine umfassende Erforschung und systematische Erfassung der Provenienz, also Herkunftsgeschichte unserer kolonialzeitlichen Objekte, dringend notwendig ist. Zwischen 1884 und 1914 kamen rund 600 ethnographische Objekte aus den ehemaligen deutschen Kolonien ins Museum. Bis heute ist deren Provenienz weitgehend ungeklärt. Das soll im Rahmen des vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste geförderten, zweijährigen Projekts geändert werden. Die Ergebnisse werden digitalisiert und veröffentlicht. Außerdem wird die jeweilige Provenienz der Exponate in der Ausstellung kenntlich gemacht. Erste Ergebnisse wurden bereits in der Publikation "Provenienz & Forschung 2-2020" veröffentlicht.