Geschichte

 
Das Offenburger Museum und seine Sammlungen 
  
Jedes Museum hat eine Geschichte, die in den meisten Fällen auch seine Sammlungsgebiete erklärt. Die Geschichte des Offenburger Museums umfasst inzwischen weit mehr als 100 Jahre, seine Sammlung wurde bereits 1884 begonnen. 
 
 
 
1900–1917 Museum für Natur- und Völkerkunde 
 
Am 3. Juni 1900 wurde das Offenburger Museum als
„Museum für Natur- und Völkerkunde“ im Gebäude des St. Andreas Spitals eröffnet. Initiator war Kreissekretär Carl Frowin Mayer (1827–1919), der bei seiner Museumsinitiative von Stadtrat Georg Monsch und Adolf Geck unterstützt wurde. Mayers Sammlungskonzept war umfassend. Vorgeschichtliche Funde, Kulturgüter aus Stadt und Region, aber auch Bücher, Graphiken, Münzen, Handwerkserzeugnisse, Tracht und Ethnographika fügten sich in Mayers Wunderkammer zu einem gewagten, für eine badische Kreisstadt mit damals ca. 13.000 Einwohnern sicherlich ungewöhnlichen Ensemble. Bis 1917 leitete Carl Frowin Mayer das Offenburger Museum. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Verlust der deutschen Kolonien wandelten sich bald auch die Sammlungsinteressen des Hauses. 
 
 
 
1917–1938 Die „Städtischen Sammlungen“ 
 
Von 1917–1938 prägte Dr. Ernst Batzer (1882–1938) das Offenburger Museum. Er verlagerte den Schwerpunkt der Sammlungstätigkeit hin zur Heimatgeschichte. Äußeres Zeichen für diese Veränderung war die Umbenennung in „Städtische Sammlungen“, die 1924 mit Zustimmung des Gemeinderats vorgenommen wurde. 
 
1938–1973 Das Ritterhausmuseum wird Heimatmuseum 
  
Im Jahr 1938 trat Dr. Otto Kähni kommissarisch die Nachfolge des verstorbenen Leiters Ernst Batzer an. Kähni verfolgte ebenso wie sein Vorgänger Batzer das Ziel, das Museum zu einem Heimatmuseum umzubauen. Nach der Auslagerung der Tierpräparate, der naturkundlichen und geologischen Sammlung wurde das Heimatmuseum am 12. Juli 1942 feierlich eröffnet, allerdings musste das Museum wegen des immer spürbarer werdenden Krieges bald wieder schließen, immer mehr Objekte wurden in Sicherheit gebracht. Erst 1951 konnte Kähni das Museum wiedereröffnen. Neben den regulären Ausstellungen wurde erstmals die Jagdtrophäensammlung der Eheleute Cron ausgestellt. 1958 zog das gesamte Museum aus dem Spitalgebäude an seinen heutigen Standort, in die Ritterstraße 10, um. 
 
 
 
 
1973–heute  Museum im Ritterhaus – ein neues Museum für die Stadt 
 
In den frühen 1970er-Jahren beschlossen die Verantwortlichen in der Stadt, in die Kultur zu investieren. Mit Dr. Hans-Joachim Fliedner als neuem Kulturleiter begann ein Professionalisierungsprozess. Am 8. September 1989 wurde mit großem Erfolg die Neueröffnung des Museums gefeiert. Nicht nur die Ausstellungen wurden erneuert. Auch das museumspädagogische Angebot wurde ausgebaut und legte den Grundstein für das heutige Kursangebot: Dauerausstellungen, wechselnde Sonderausstellungen und ein vielfältiges museumspädagogisches Angebot bereichern das Museum. Im Jahr 2011 wurde damit begonnen, alle Dauerausstellungen neu zu konzipieren und zu modernisieren. Begonnen wurde mit der stadthistorischen, 2015 folgte die naturkundliche, 2016 die archäologische und 2017 die ethnologische Abteilung. Ende 2018 ist die Abteilung Reichsstadt, Offenburg 800 bis 1800, als letzter Teil der Neukonzeption eröffnet worden. Lohn für diese Anstrengungen über gut ein Jahrzehnt: die Verleihung des Lotto-Museumspreises Baden-Württemberg im November 2019.