Mikwe

Die Mikwe in Offenburg ist eines der wenigen bekannten jüdischen Ritualbäder in Deutschland, die vor dem 18. Jahrhundert errichtet wurden und zeichnet sich durch seine einzigartige Bauweise aus.
 

Die Mikwe befindet sich heute in der Glaserstraße 8 und ist über die Bäckergasse zugänglich. 
Bisher hatte man das Bauwerk ins späte 13. oder frühe 14. Jahrhundert datiert.
Nach neueren baubiologischen Forschungen ist es möglicherweise erst Ende des 16. Jahrhunderts oder in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden. Zweifelsfrei ist diese jüngere Datierung nicht, solange es nur unzureichende Belege für eine jüdische Gemeinde in Offenburg um 1600 gibt. Auch die Restaurierung 2006 konnte keine Hinweise für eine genaue Datierung liefern.
Das Tauchbecken der Offenburger Mikwe liegt 14 Meter tief unter der Erdoberfläche. Es war gefüllt mit Grund- und Regenwasser, das durch einen langen Schacht in das Becken gelangte. Eine gerade Treppe mit 46 Stufen führt die Besucher bis in das beeindruckende Zentrum des Ritualbades.
 
In der Mikwe kamen die Juden rituellen Reinheitsvorschriften ihrer Religion nach. Nur lebendes Wasser (Quell- oder Regenwasser) durfte für die rituellen Waschungen verwendet werden. Das Bad musste mindestens 800 Liter fassen, damit die Gläubigen ganz darin untertauchen konnten. Man durfte es erst betreten, wenn man von Kopf bis Fuß vollkommen sauber war. Im Mittelalter und auch später gab es viele Vorschriften, wann man das Ritual in der Mikwe vollziehen musste.
 
Neue Präsentation "Vom Bad zum Brunnen"
In Deutschland sind nur wenige jüdische Ritualbäder bekannt, die vor dem 18. Jahrhundert errichtet wurden. Die Offenburger Mikwe zeichnet sich durch eine einzigartige Bauweise aus, die immer noch Rätsel aufgibt. 1784 wurde das Gebäude errichtet, über dessen Gewölbekeller der Zugang zur Mikwe möglich ist. Das Bad wurde damals zum Brunnen umgenutzt. Der ursprüngliche Sinn geriet in Vergessenheit.
 
Auf Initiative des Fördervereins Archiv, Museum und Galerie der Stadt Offenburg e.V. wurde der Gewölbekeller 2015/16 saniert und durch eine ansprechende Präsentation aufgewertet. In Absprache mit dem Denkmalschutz hat die Wohnbau Offenburg GmbH als Eigentümerin des Gebäudes die Sanierungsarbeiten durchgeführt und die Zugangssituation wesentlich verbessert.
 
Hölzerne Stege leiten die Besucher*innen durch eine neue von Dr. Valerie Schoenenberg konzipierte Ausstellung, die drei Themenkomplexe aufgreift:
-Geschichte der Offenburger Juden vom Mittelalter bis in die Neuzeit
-Baugeschichte und Datierungsprobleme
-Funktion eines jüdischen Ritualbads.
Die Sanierung und Neukonzeption war möglich dank zahlreicher Förderer und Sponsoren:
Förderverein Archiv, Museum und Galerie der Stadt Offenburg e.V., Historischer Verein Offenburg e.V., Kulturstiftung Offenburg, Regionalstiftung der Sparkasse Offenburg/Ortenau, Stadt Offenburg, Wohnbau Offenburg GmbH.
Eine Besichtigung der Mikwe außerhalb der Sonderöffnungzeiten ist nur im Rahmen von Führungen und museumspädagogischen Kursen möglich. Diese können über die Museumspädagogik vereinbart werden (Tel.: 0781-822460 oder unter museum@offenburg.de)
Die Termine für die öffentlichen Stadtführungen in der Mikwe finden Sie hier.
 
Den Flyer mit allen Terminen können Sie hier herunterladen: 


Film über die Mikwe: https://youtu.be/hEdMFXQvyXg